Tomatina – Tomatenschlacht in Spanien

In Spanien gibt es eine ganze Reihe von Fiestas bzw. Festen, bei denen Dinge getan werden, die uns seltsam vorkommen. Von dem Brauch Stiere über enge Altstadtgassen zu jagen und mit diesen mitzulaufen wie bei den alljährlich stattfindenden Stiertreiben zu Ehren von San Fermin in Pamplona möchte ich gar nicht reden, denn es gibt einige schöne Feste, bei denen eben eher der Spaß für alle im Mittelpunkt steht. So gibt es in Ibi (bei Alicante) alljährlich eine Mehlmännerschlacht, bei der nicht nur mit Mehl geworfen wird, sondern auch mit Eiern und Knallfröschen (Termin der Mehlschlacht ist der 28. Dezember, Els Enfarinats), Mehl steht auch im Mittelpunkt der Weißen Karneval in Las Palmas auf Gran Canaria und dann gibt es noch die Tomatenschlacht, Tomatina, in Buñol.

La Tomatina in Buñol – die berühmte Tomatenschlacht

Tomatenschlacht in Buñol Spanien - Ende August.
Tomatenschlacht in Buñol Spanien – Ende August.

Die Tomatenschlacht dauert genau eine Stunde und wird heute mit ca. 150 Tonnen Tomaten ausgetragen. Zuvor (ab 10 Uhr) findet ein Wettkampf mit Namen palo jabón statt (Seifen-Stab), bei dem ein mit Seife rutschig gemachter Pfosten (etwa sieben Meter hoch) erklimmt werden muss, um einen Schinken zu erreichen (daher auch der Name Schinkenstürmen), der an seiner Spitze hängt. Wenn dies jemand gelingt, dann wird das Signal für die Tomatenschlacht gegeben (11 Uhr). Diese dauert dann eine Stunde. Ein weiteres Signal bedeutet dann das Ende. Danach ist großes Saubermachen angesagt, bei den die meisten der Teilnehmer auch helfen.

Für die Tomatenschlacht fahren dann sechs Lastwagen über den Platz, der ca. 150 Tonnen Tomaten verteilt.

Nach genau einer Stunde endet der Kampf, wenn die zweite Granate abgefeuert wird und das Ende ankündigt. Der ganze Platz ist rot gefärbt und es bilden sich Flüsse von Tomatensaft. Die Straßenreinigung wird von den örtlichen Reinigungsbrigaden durchgeführt, die von den Bewohnern selbst unterstützt werden. Die Teilnehmer nutzen in der Regel das Wasser in den Schläuchen, um die an ihrem Körper angebrachten Tomaten zu entfernen und sich selbst zu reinigen.

Tomatina in Buñol Termine

Die Tomatina in Buñol findet jeden letzten Mittwoch im August statt. Die nächsten Termine der Tomatenschlacht sind:

  • 29. August 2018
  • 28. August 2019
  • 26. August 2020 (2020 ist ein Schaltjahr)
  • 25. August 2021

Tomatina EintrittskartenAchtung: Die Tomatenschlacht ist nichts mehr für Spätentschlossene, um die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu begrenzen, wurde vor einigen Jahren der Ticketverkauf eingeführt. Ohne Ticket keine Tomatenschlacht. Für Einheimische ist ein Kontingent an Freikarten reserviert, die restlichen kosten aktuell 12 Euro pro Stück (2018).

Die Tomatenschlacht

Der offizielle Name dieser Fiesta ist La Tomatina. Ausgetragen wird die Schlacht in dem kleinen Ort Buñol im Osten von Spanien (Comunidad Valencia). Die Schlacht selbst ist inzwischen Teil einer großen Fiesta und hat ganz einfache Regeln bzw. ein sehr einfaches Spielprinzip: Man bewirft sich gegenseitig mit (möglichst reifen) Tomaten.

Regeln und Empfehlungen für die Tomatenschlacht

Keine Schlacht oder Regeln und so hat auch die La Tomatina einige bzw. einige Empfehlungen. Diese dienen der Sicherheit der Teilnehmer und sollten auch beachtet werden.

  • Es werden ausschließlich Tomaten geworfen. Pur. Keine Flaschen oder anderen Gegenstände.
  • Tomaten sollten vor dem Werfen angematscht werden (also in die Hand nehmen und zudrücken).
  • Die Unsitte des Trikotsziehens, die im Fußball so gerne praktiziert wird, ist bei der Tomatina nicht erlaubt. Aber auch wenn die Kleidung nicht kaputt gemacht werden darf, sollte man alte Klamotten tragen, den Tomatenflecken gehen nun mal nicht sehr gut raus. (Tomatenflecken entfernen)
  • Wahrscheinlich sind danach auch die Schuhe ruiniert, dennoch sollte man festes Schuhwerk auswählen.
  • Geworfen wird erst, wenn das Signal ertönt. Ein weiteres Signal (Feuerwerk) zeigt auch an, wann die Schlacht beendet ist.
  • Es ist zwar keine Pflicht, wird aber empfohlen: Schutzbrillen (wie beim Tauchen oder Schwimmen) und Handschuhe.
  • Fotografieren ist erlaubt, aber die Kamera sollte in einem wasserdichten und am besten auch stoßfesten Gehäuse untergebracht sein.
  • Es gibt Sicherheitspersonal. Anweisungen sind Folge zu leisten!
  • Die Tomaten werden mit dem Lastwagen zum Schlachtfeld der Tomatina gebracht und dort dann auch während der Schlacht verteilt. Als Teilnehmer sollte man rund um die Lastwagen vorsichtig sein. Schließlich dürfte es auch ziemlich rutschig sein.

Die Tomatina ist inzwischen eine sehr bekannte Fiesta in Spanien und auch über die Grenzen hinweg. Wer an der Schlacht teilnehmen möchte, sollte sich rechtzeitig um eine Unterkunft bemühen bzw. anreisen. Wer nur für die Schlacht kommt, sollte bedenken, dass das Stadtzentrum von Buñol ab 7 Uhr für Autos gesperrt ist. Es gibt aber ein Industriegebiet, in dem man Parken kann.

Geschichte der Tomatenschlacht von Buñol

Woher dieses Volksfest seinen Ursprung hat, darüber gibt es verschiedene Geschichten. Von einem Witz bis hin zu einer ausufernden Anti-Franco-Demonstration ist bei der Geschichte der Ursprünge diesr Tomatenschlacht einiges dabei. Es gibt Historiker, die den Ursprung in einem Witz sehen:

Tomaten gegen Musikus

Ein Mann soll auf dem Dorfplatz von Buñol musiziert haben. Eine Gruppe junger Leute soll dann damit begonnen haben, dem Musiker mit Tomaten beworfen zu haben. Diese nahmen sie, es war Markttag, von den Obst- und Gemüseständen. Am Ende wurde daraus eine Tomatenschlacht.

Ursprung aus Tarazona (Zaragossa)

Es gibt aber auch die Interpretation, dass die Tomatina de Buñol im Zusammenhang mit El Deivi, einem Original aus Tarazona in Verbindung steht. In Tarazona findet jedes Jahr am 27. August das Fest Cipotegato statt, das eben auch als Tomatada bekannt ist. Auch hierbei wird mit Tomaten geworfen. 1949 soll dann El Deivi auf seiner Reise nach Tarazona (Zaragossa) in Buñol Station gemacht haben und dort eine eigene Tomatenschlacht für die Fiesta vor Ort vorgeschlagen haben. Und der Vorschlag wurde aufgenommen. In Gedenken an El Deivi, der Buñol diese tolle Fiesta beschert hat, wird immer wieder der Versuch unternommen eine Straße nach ihm zu benennen oder am Platz der Tomatenschlacht eine Statue zu errichten. Da die Wahrhaftigkeit dieser Geschichte aber nicht bewiesen ist, konnten sich diese Vorschläge bis heute nicht durchsetzen.

Erste Tomatenschlacht 1945?

Es gibt noch die Geschichte, dass es im Jahre 1945 gewesen war, als der Stadtplatz (auf dem heute noch die Tomatina stattfindet) mit jungen Menschen gefüllt war, die das traditionelle Fest Gigantes y Cabezudos (Riesen und Großköpfe) feiern wollten. Bei dieser Fiesta werden riesige Karnevalsfiguren mit grotesken Köpfen getragen. Einige junge Menschen nahmen an der Parade teil, andere lehnten das ganze ab und es begann ein Kampf. Da zufällig ein Gemüsestand dort war, dauerte es nicht lange, bis aus der anfänglichen Prügelei eine Tomatenschlacht geworden war. Und bereits im nächsten Jahr wurde das ganze wiederholt. Nur brachten die Demonstranten die Tomaten diesmal gleich mit. Und so dauerte es nicht lange (damals war Spanien noch eine Diktatur, in der solche Späße und Demonstrationen nicht gerne gesehen waren) bis die Polizei eingriff. Im Jahr darauf wurde das Fest schon im Vorfeld von den Behörden verboten. 1957 sollten dann ein Fest entierro del tomate (Begräbnis der Tomate) stattfinden, mit Sängern, Musikern und Komikern. Die Hauptattraktion war ein Sorg mit einer großen Tomate im Inneren, dieser folgte eine Band, die Trauermusik spielte. Diese Aktion brachte die Behörden wohl zum Einlenken (die Diktatur in Spanien endete erst 1975) und so fand die erste offizielle Tomatina 1959 (mit einigen Regeln und Vorgaben) statt.

Spanien war im 2. Weltkrieg (1939 bis 1945) offiziell neutral geblieben. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1936 bis 1939) herrschte nun Diktator Franco über das Land.

Tomatina seit 1975

Für die Geschichte der Tomatenschlacht von Buñol ist das Jahr 1975 sehr wichtig. Seit diesem Jahr wird die Schlacht von Los Clavarios de San Luis Bertrán organisiert, was man mit Der Arme vom Heiligen Luis Bertrán übersetzen kann. Luis Bertrán ist der Schutzheilige von Buñol. Diese Vereinigung sorgte auch dafür, dass die Tomaten nicht mehr von den Teilnehmern mitgebracht werden mussten, sondern bereitgestellt wurden. Eine wichtige Neuerung. 1980 übernahm dann der Stadtrat die Verantwortung für die Tomatina.

Fernsehen berichtet 1983 über Tomatenschlacht

1983 wurde dann im spanischen Fernsehen über die Schlacht berichtet, was für große Popularität über die Stadtgrenze hinaus sorgte. 2002 wurde La Tomatina de Buñol ann zr Fiesta vom internationalen touristischen Interesse erklärt.

2004 – Guiness Buch der Rekorde

Die Tomatina des Jahres 2004 wurde in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. 38.000 Personen hatten sich eine Stunde lang gegenseitig mit 125.000 Kilogramm Tomaten beworfen.

Neuerung bei der Tomatina 2013

Inzwischen ist die Tomatenschlacht nicht nur in ganz Spanien bekannt, sondern eben auch über die Landesgrenzen hinaus. Das sorgt für einen großen Andrang in Buñol. 2013 beschloss der Stadtrat von Buñol dann das Treiben zu reglementieren und die Menschenmassen zu begrenzen. Seitdem müssen vorab Tickets gekauft werden. Die Teilnehmerzahl darf 22.000 nicht übersteigen. Bis zu dieser Reglementierung waren teilweise bis zu 45.000 Menschen bei der Tomatenschlacht gewesen. Begründet wurde die Eingrenzung mit der Sicherheit.

La Tomatina bekannt in aller Welt

  • Es gibt ein Videospiel, Namco, bei dem es eine Szene gibt, die der Tomatenschlacht von Buñol nachempfunden ist.
  • Im November 2009 drehte Regisseur Darío J. Ferrer einen offiziellen Kurzfilm über die Entstehung der Tomatina mit Titel El Punto Rojo (Der Rote Punkt). Der Film, an dem auch einige in Spanien sehr bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler (Alejo Sauras, Mariam Hernández, José Montó, Pepe Carabias, Javivi, Ewa Miller, Joan Gadea, Lola Moltó) mitwirkten, wurde 2011 mit großen Erfolg veröffentlicht.
  • Auch Bollywood nahm das Thema bei einem Film auf (2011, Sólo, Regisseur Zoya Akhtar).
  • 2011 drehte Lynne Ramsay den Film We Need to Talk About Kevin, bei dem die Darstellerin Tilda Swinton die Tomatina besuchte. Tildo Swinton spielt die Reisejournalistin Eva Khatchadourian.
  • 2015, mutmaßlich der 70. Jahrestag der ursprünglichen Tomatina, veröffentlichte Google ein Doodle mit einem La Tomatina Motiv.

Google Doodle zur Tomatina

Google legt sich übrigens auf 1945 fest, zumindest beim Doodle. 2015 erschien ein Doodle in vielen Ländern (nicht nur in Spanien, wie der Doodle einige Jahre zuvor), dass an den 70. Jahrestag der Tomatina erinnerte.Es ist eine aufwändige Animation, die einen Tomatenlaster zeigt und mehrere Menschen, die mit Tomaten werfen. Die Tomatenschlacht ist im vollen Gange. Auch der palo-jabon ist dargestellt und der Schinken, der dabei erreicht werden soll. Allerdings findet dieses Ereignisse eigentlich VOR der Tomatenschlacht statt.

Google Doodle 70. Jahrestag der Tomatina in Buñol.
Google Doodle 70. Jahrestag der Tomatina in Buñol.

 

Google Doodle Tomatina 2008
Google Doodle Tomatina 2008. Reichweite Spanien.

Woher stammen die Tomaten?

Die Tomaten werden aus Xilxes (Castllón) besorgt. Sie werden extra für die Fiesta angebaut und sind recht günstig. Natürlich kann man sie auch probieren, ihr Geschmack macht sie aber nicht besonders lecker. Für selbst gemachten Tomatensaft sind sie also nicht geeignet. Die Tomaten-Lieferanten für die Schlacht sind übrigens angehalten möglichst überreife Früchte anzuliefern.